Zucht und Aufzucht 1897 bis 1924

Die Zucht bringt die Welpen, die Aufzucht den Hund

so fing im Jahre 1924 ein Aufsatz von Herrn L.F. Diefenbach im Buch “Der rauhaarige Terrier und seine Erziehung an.

Ich möchte hier Herrn Diefenbach gern ausführlich zitieren.  Es ermöglicht uns einen Einblick die Zucht- und Aufzuchtbedingungen  vor 100 Jahren.. Vieles von dem lässt 1:1 auf uns heute übertragen. Aber lesen Sie selbst.

Zitat: L.F.Diefenbach, 4. April 1924 – Der rauhaarige Terrier und seine Erziehung IV gänzlich neubearbeite Auflage

Die Zucht kann nur dort erfolgreich betrieben werden, wo sie sich auf Kenntnisse und Praxis stützt. Wer glaubt, zwei hochprämierte Tiere paaren und damit große Erfolge erzielen zu können, ist auf dem Holzwege.Zur erfolgreichen Zucht ist es natürlich erforderlich, nur mit den „besten“ Tieren zu züchten.

„Beste“ ist nicht gleichbedeutend mit „höchst prämiierten“ sondern bedeutet „bestes Blut“ nicht nur der Elterntiere, sondern auch der vorhergehenden Generationen.

Der größte Fehler ist, nur auf Billigkeit zu sehen, eine minderwertige Hündin zu einem geringem Preise einzukaufen, sie von einem Ausstellungssieger decken zu lassen und nun erstklassige Nachzucht zu erwarten.

Wer so beginnt, verschwendet sein Geld.


Die Grundlage der Zucht ist die Anschaffung einer hochklassigen Hündin, die nicht Ausstellungssiegerin sein muss, sondern beste Abstammung besitzt, ohne grobe Fehler aufzuweisen.

Sowohl bei der Zuchthündin, als bei dem in Aussicht genommenen Zuchtrüden soll man einige Generationen der Vorfahren kennen, insbesondere wissen, welche Vorzüge und welche Mängel einem Stamme eigen sind.

Sind bei beiden Stämmen die gleichen Vorzüge und die gleichen Mängel erblich, so ist die Wahl des Rüden schlecht getroffen; vielmehr muss der Rüde die Schwächen der Hündin ausgleichen und umgekehrt.

Eine mäßige Inzucht fördert das Bestreben, einen Familientypus zu erzielen, doch sollte die Inzucht nur von erfahrenen Züchtern ausgeübt und nur auf weiter zurückliegende Vorfahren zurückgegriffen werden, nicht direkt auf die Eltern

Läßt also der Besitzer z.B. von Lotte v. Schloßgarten diese mit Pandaros decken, so bedeutet dieses eine vernünftige Inzucht auf Rush Fassendorf.

 

 

 

Wird also die Hündin von diesem Rüden gedeckt, so bedeutet dieses eine vernünftige Inzucht, auf den Rush Fasendorf

Wird aber die Inzucht fortgesetzt oder intensiv betrieben (Züchtung mit Vater und Tochter, Sohn und Mutter, oder mit Hunden, die gleichen Vater und Mutter haben) oder gar Inzestzucht (Zucht zwischen Bruder und Schwester), so kommen zwar in vielen Fällen vorzügliche Ausstellungstiere zu Stande, jedoch stellen sich nach solcher Verbindung Nachteile ein, wie wir dies bei verschiedenen, sehr hoch gezogenen Rassen täglich beobachten können.

 Mein Kommentar

Hier wird bereits 1924, auf die Gefahren der Inzucht/Linienzucht sehr nachdrücklich hingewiesen. Und das zu einer Zeit wo der Bestand der Zuchthunden um einiges geringer war als heute, 2005 !!

 

Ebenso war es schon vor über 100 Jahren erforderlich,  einen so nachdrücklich Hinweis wert, das das Verpaaren von hochprämierten Ausstellungsiegern , eher der Holzweg als der eine „richtige Zucht“ ist.

 

Der Hinweis auf die „Beste Hündin“ – bei der sich die Qualität nicht nur allein dadurch ausdrückt, das sie eine „höchst prämierte Hündin“ ist.  Sondern bestes „Blut“, im Sinne von geplanter Zucht – also die Wahl nach den Ahnen und nach den Ahnenverlusten, und der Vermeidung von Inzucht ist.

 

Auch auf die Gefahr, des wahllosen Einsatzes von Ausstellungssiegern wies er hin.

 

Diese Nachteile, waren nach seiner Ansicht

  • mangelnde Widerstandskraft gegen Krankheiten und insbesondere Staupe
  • und Nervosität.

Diese beiden Nachteile, waren seiner Meinung nach so schwerwiegender Natur, dass sie infolge fortgesetzter Verluste, gar manchem die Zucht oder die Freude an der Dressur eines nervösen Tieres verleiden können.

Fortführung des Zitates
Unsere deutsche Zucht hat seit dem Anfang des  20ten Jahrhundert gewaltige Fortschritte gemacht, welche man zu damaliger Zeit noch kaum ahnen konnte.

Systematisch haben wir einen Fehler nach dem anderem ausgemerzt, so z.B. das große Houndsohr (Wolfshound ??) und die spitzen Fänge.Wogegen wir bisweilen auch neue Fehler mit in den Kauf nehmen mussten, so helles Auge und Verschlechterung des Haares.Langsam, aber mit zäher Beharrlichkeit, suchten wir auch diese Fehler wieder auszumerzen, so dass man heute (1924) auf gutbeschickten Ausstellungen, selten einen Iren begegnet, mit so schlechtem Haar, wie es Ende der 90er Jahre (19 Jahrhundert) selbst Ausstellungssieger aufwiesen.

 

Diese Ausführungen, waren Herrn Diefenbach, damals so wichtig, das er sie vor seine weiteren Ausführung zur Aufzucht stellte.

 

Aufzucht/ Zitat wird fortgeführt

Zeitig genug werde man sich klar, von welchem Rüden eine Hündin gedeckt werden soll. Man verständige sich mit dem Rüdenbesitzer darüber, dass der Rüde für die bestimmte Hündin zur Verfügung gestellt wird und vereinbare die Decktaxe. 

Sofort bei Eintritt der ersten Anzeichen beginnender Hitze, benachrichtige man den Rüdenbesitzer, dass man am 12. oder 13. Tage der Hitze, also an dem oder jenem bestimmten Tage mit seiner Hündin kommen werde.

Der Rüdenbesitzer, muss dies genau wissen, damit er nicht am gleichem Tage oder kurz vorher oder nachher, eine andere Hündin zum Decken annimmt, soll aber seinerseits dem Besitzer der Hündin sofort die Bestätigung seiner Bereitwilligkeit für einen bestimmten Tag schriftlich mitteilen.  

Wer es nicht ermöglichen kann, seine Hündin auf der Hochzeitreise zu begleiten, sende dieselbe als Expressgut und lasse sie ebenso zurückkehren.Den Besitzer des Rüden ermächtige man in diesem Falle, dass er die Rückfracht mit dem Deckgeld zusammen nachnimmt.

Bisweilen wird auch die Abgabe eines Welpen des Wurfes als Decktaxe vereinbart. In diesem Falle versäume man aber nicht, für besondere Fälle nebenher ein später auszuzahlendes Deckgeld von bestimmter Höhe festzusetzen, wenn der Wurf nicht den Erwartungen entsprechend ausfällt.

Entweder verlangte der Rüdenbesitzer einen kleinen Rüden oder eine kleine Hündin erster Wahl. Nun ist aber doch nicht ausgeschlossen, dass die Hündin nur einen Rüden oder nur eine Hündin, oder gar überhaupt nur einen einzigen Welpen wirft, welchen der Besitzer der Hündin gerne selbst behalten will, oder die Welpen eines Wurfes gehen bis auf einen einzigen ein.

Für diesen Fall soll das Deckgeld an die Stelle des versprochenen Welpen treten.

Immerhin kann man verabreden, dass man in einem solchem Falle, die Hündin bei nächster Hitze dem gleichem Rüden zuführt und dann die gemachten Vereinbarungen erfüllt.

Ferner ist zu vereinbaren, dass die Hündin, sofern sie nach dem Rüden nicht aufgenommen haben sollte, von diesem bei nächster Hitze kostenlos gedeckt wird.

Es empfiehlt sich außerdem eine Vereinbarung, dass bei evtl. Tode der Hündin, eine andere Hündin dem Rüden gegen nunmehrige Entrichtung der halten Decktaxe zugeführt werden darf. Wer diese Vereinbarungen trifft, wird sich vor jeglicher späteren Unannehmlichkeit schützen.

Der Besitzer des Rüden ist verpflichtet, sofort nach erfolgter Deckung eine Deckbescheinigung auszustellen, in welcher die Deckung unterschriftlich bestätigt wird. In der Deckbescheinigung sind die eingetragenen Namen von Rüde und Hündin nebst Zuchtbuchnummern, sowie der Tag der erfolgten Deckung zu nennen.

Ist die Hündin von einem geeigneten Rüden gedeckt worden, so beginnt sofort die Sorge für den erwarteten Wurf;

Die Hündin wird kräftig gefüttert und erhält bis zum letzten Tage ausgiebige Bewegung. Selbstverständlich wird man die Hündin im letzten Stadium vom Springen, Klettern und allzu tollen Streichen abhalten. Ausgiebige Bewegung ist aber unerlässlich, weil sie erstens den Stoffwechsel fördert und zweitens Vorbedingung für eine glatte Erledigung des Wurfaktes bildet.

Schon vor dem Decken lässt man die Hündin eine energische Wurmkur durchmachen, welche nach der fünften Woche der Trächtigkeitsperiode wiederholt wird. Auf diese Weise vermeiden wir es nach Möglichkeit, dass auf die Welpen Wurmeier in den ersten Lebenswochen übertragen werden. Würmer aber bedeuten für die Welpen die allergrößte Gefahr. Einige Tage vor dem erwarteten Wurfakte wird die Wurfkiste, welche geräumig sein muss, mit kochendem Wasser ausgebrüht, um etwa vorhandene Wurmeiner und Ungeziefer zu vernichten.

Die Hündin selbst, wird von etwa vorhandenen anhaftenden Flöhen gereinigt.

Vor Beendigung des Wurfaktes gibt man am besten kein Streu, weil es leicht vorkommt, dass ein Welpe unter die Streu gerät und erdrückt wird.

Die Wurfkiste muss auswechselbaren Boden haben und es müssen zwei Reservebretter mit kleinen Durchlasslöchern vorhanden sein.

Nach erfolgtem Wurf wird der Boden täglich gewechselt, peinlich gereinigt und mit Creolin desinfiziert; damit genügende Austrocknung möglich ist, bleibt der Boden zwei Tage stehen, tagsüber möglichst dem Licht der Sonne ausgesetzt.

Als Streu verwendet  man entweder Stroh oder Holzwolle. Unter den durchlöcherten Boden kann man Tropfstreu schütten, wodurch der unangenehme Geruch vermindert wird. 

Fütterungshinweise

Bis zur dritten Woche überlässt man die Welpen ausschließlich der Pflege der Mutter. Von da ab kann man beginnen, sie an andere Kost zu gewöhnen. Wenn man Ziegenmilch haben kann, so ist dieses der Kuhmilch vorzuziehen; erstere wird in den ersten Tagen verdünnt im Verhältnis von 50:50, letztere 60:40, wobei „60 Wasser bedeutet.

Nach einigen Tagen kann man bereits einen dünnen Brei von Nestles Kindermehl oder Haferflocken reichen. Im Alter von 5 Wochen ist bereits in Haferbrei mit Fleischbrühe (Pferdefleisch) gekocht zu empfehlen.

Nach und nach wird das Futter in konsistenterer Form verabreicht. Fleisch in gemahlenem Zustand und Eier zugesetzt. Letztere kauft man als Brucheier zum ermäßigtem Preis: natürlich wird später auch die Milch unverdünnt mit Zusatz von Brötchen, später Schwarzbrot verabreicht.

Es ist vom Vorteil dem Futter knochenbildende Stoffe beizumengen (Nährsalz, Lebertran). Wenn auch die Anlagen zu starken Knochen vorhanden sein müssen, so kann man doch zu deren Ausbildung erheblich beitragen.

Eine ebenso große Rolle  als zweckmäßige Fütterung, spielt die Reinlichkeit. Wechselt man nicht täglich den Boden, sondern gibt vielleicht nur neue Streu, so vermag man den Amoniakgeruch des Urins nicht zu beseitigen; es ist aber durch Versuch nachgewiesen, dass man selbst bei Hunden vorgeschrittenen Alters Rachitis (Knochenweiche) erzeugen kann, indem man sie Amoniakdämpfe einatmen lässt.

Sobald die Welpen die Wurfkiste verlassen, tut man gut, falls die Kiste in einem besonderem Häuschen steht, den Boden derselben mit Sägemehl zu bestreuen, welches die Feuchtigkeit aufnimmt und nach Bedarf erneuert werden kann.

Auch den jungen Hunden ist viel Bewegung ein Bedürfnis; falls sie nicht selbst sich Bewegung machen, soll man ihnen Anregung bieten, indem man ihnen einen massiven Gummiball an einem festen Gummiband im Zwinger in genügender Höhe aufhängt, so dass sie ihn durch Springen zu erhaschen versuchen.

Ein massiver Gummiball ist auch sonst als Spielzeug beliebt und fördert „geborene Apportteuere“. Ein möglichst geräumiger Laufraum muss allerdings wenigstens stundenweise zur Verfügung stehen.

Zum Schluss will ich noch als besonders wichtig betonen, dass man auch einer kräftigen Hündin nicht mehr als 5-6 Welpen belassen soll; lässt man mehr liegen, so schwächt man die einzelnen Tiere.

Will man einen größeren Wurf vollkommen aufziehen, so muss man sich bei Zeiten nach einer Amme umsehen, die jedoch möglichst am gleichem Tage geworfen haben muss. War die Amme einige Tage früher, so müssen die Welpen  die erste Milch der Mutter genossen haben.

Bekommt man dagegen eine Amme, welche erst einige Tage nach unserer Hündin geworfen hat, so dürfen die Welpen nicht noch einmal die erste Milch der Amme erhalten, durch welche nun Darmkatarrh hervorgerufen würde.

Die erste Milch der Amme müsste in diesem Falle von eigenen Welpen konsumiert oder abgemolken werden. 

So lauteten die Ausführungen von Herrn Diefenbach im Jahre 1924. einige der angesprochen Dinge haben noch Heute ihre Wichtigkeit, andere hingegen, insbesondere die Fütterung, hat in der Zwischenzeit, doch erhebliche Änderungen durchlaufen.

Irish Terrier vom Haseland - Susann & Helmut Gielians, 49586 Merzen, Osterodener Weg 1, Tel: 05466 926 126
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