Bindung wird von Hundehaltern oft unterschiedlich interpretiert. Einige meinen damit, dass ein Hund gern die Nähe seines Menschen sucht und andere  verwechseln den Begriff mit perfekter Erziehung.
 
Doch was genau ist Bindung?
Meist fallen uns dann Bilder ein wie Mutter und Kind. Auch wenn die Fähigkeit zur Bindung in der frühen Kindheit erlernt wird, sollte Bindung nicht mit Abhängigkeit verwechselt werden. Im Unterschied: Bindung  kann !! ein Leben lang halten, wogegen die kindliche Abhängigkeit im Laufe der Entwicklung beständig weiter abnimmt.
 
Frei nach dem Motto “Gemeinsam ist man stark“ war wohl evolutionsmässig der ursprüngliche Zweck der Bindung „Schutz vor Raubtieren“ diente also dem Überleben.
 
Nun sollte man auch noch nach Bindungspartner unterscheiden.
Ein Unbekannter kommt sicherlich nicht infrage, eher jemand den man gut kennt, und den man einschätzen kann beziehungsweise jemand auf den man sich verlassen kann, der einem Sicherheit gibt. Zufallsbekanntschaften sind keine Bindungspartner (Inez Maier)
 
Die Kinderpsychiater John Bowly und Mary Ainsworth haben eine Bindungstheorie aufgestellt, danach ist das Bindungsverhalten angeboren. Das bedeutet soviel wie, dass ein soziales Lebewesen (Tier/Mensch) eine Bindung zu einem Bezugstier/Person aufbauen muss. Heute unterstützt die Messbarkeit des Bindungshormons Oxytocin diese These.
 
Sinn und Zweck von Bindung
Der Verhaltensforscher und Biologe Adám Miklósi von der Universität Budapest hat durch zahlreiche Experimente nachgewiesen, dass es bei Hunden und Mensch ähnliche Bindungstypen und ein ähnliches Bindungsverhalten gibt. Weiterhin bestätigen seine Forschungen, dass das Bindungsverhalten von Welpen und Elterntieren in seiner Gesamtheit vergleichbar mit der Eltern-Kind-Beziehung des Menschen ist. Das ist wiederum eine Erklärung dafür, dass wie Menschen eine tiefe Bindung zu den Hunden erleben. Warum ist das so, wenn doch die unmittelbare Bedrohung fehlt, warum ist es ein Grundbedürfnis?
 
Hat es was mit Nahrung zu tun, lässt sich ein Hund mit Leckerli an einen Menschen binden? . Sucht der Hund über die Leckerli die Nähe der Menschen?  Obwohl nichts logischer scheint als das, haben Bindung und deren Intensität nichts mit Nahrung zu tun. Auch nicht mit Leckerli!“
 
Harry Harlow (amerikanischer Psychologe), bewies 1958  das Bindung nicht durch Nahrung hergestellt wird. Harlow trennte neugeborene Rhesusäffchen von ihrer Mutter. Dann bot er ihnen zwei unterschiedliche Mutter-Attrappen an: eine mit Fell überzogene, weiche, die keine Nahrung bot, und eine kalte, abweisende aus Draht, die den hungrigen Äffchen Nahrung bot. Zu welcher dieser „Mütter“ flüchteten sich die Äffchen in ihrer Not?
Zu der mit Nahrung?

Nein, sie klammerten sich an die weiche „Mutter“ mit dem warmen Fell. Bei ihr suchten sie in ihrer verzweifelten Lage Sicherheit und Trost. Damit konnte Harlow belegen, dass Bindung ein eigenständiger, vom Grundbedürfnis Nahrung unabhängiger Entwicklungsprozess ist.

 
Somit hat Bindung mit Kuscheln zu tun!
Hunde suchen die Nähe ihrer Bindungspartner, zunächst der Mutterhündin (Körperkontakt) später dann die räumliche Nähe zur Mutter.
Werden Welpen kurzfristig von der Mutter getrennt, fiepen sie und veranlassen so die Mutter, nach ihnen zu suchen und sich um sie zu kümmern.
Erkennen Welpen eine wirkliche oder auch nur vermeintliche Gefahr, ist ihre erste Reaktion, so schnell es geht zur Mutter oder einem anderen Bezugstier zu laufen.
 
Bindungsverhalten dient der Sicherheit und damit dem Überleben
Dem Hund ist das Gefühl der Sicherheit, der Akzeptanz und der Geborgenheit ebenso wichtig wie uns. Mensch und Hund sind gleichermaßen darauf angewiesen. Sie sind starke Grundlagen für ein ganzes Leben
 
Wird in die Bindung durch körperliche Kontaktaufnahme (Lecken, Anstupsen, den Abstand verringern, Körper- oder Blickkontakt) hergestellt, fühlt sich der kleine Welpe sicher und kann anderen Dingen nachgehen.
Somit  ist Bindung äußerst wichtig für die dann folgenden Entwicklungsschritte und sein ganzes Leben. Bindung gibt dem Welpen die (Grund)Sicherheit damit er nun die große weite Welt erkunden kann.,
 
Angstfreies Erkunden (Exploration) legt den Grundstein dafür, später mit Artgenossen und Umweltreizen auch in schwierigen und nicht vorhersehbaren Situationen souverän umgehen zu können. (Thomas Althaus 1983)
 
Werden dagegen die Wünsche nach Bindung wiederholt zurückgewiesen oder nicht beachtet, findet der Welpe keinen anderen Ausweg aus dieser als bedrohlich empfundenen Situation, als selbst die Bindung zu verweigern oder zu vermeiden.
 
Bindung ist also nicht gleich Bindung. Sie ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und darüber hinaus von ebenso unterschiedlicher Qualität.
 
Ausschlaggebend für das Entstehen und die Entwicklung einer guten Bindung ist die Feinfühligkeit der Mutter (Bindungspartner).
Ihr promptes und angemessenes Reagieren auf die vom Welpen geäußerten Bedürfnisse (Hunger, Wärme, Körperkontakt) ist entscheidend Für sein späteres Bindungsvermögen als erwachsener Hund.
Somit hat das Bindungsverhalten eines Hundes weniger mit seinem individuellem Temperament als mit der mit der Mutter (Bindungspartner) gehaltenen Zweisprache zu tun
 
Eine zu zeitige Trennung von Mutter und Wurfgeschwistern oder gar das Separieren der Mutterhündin von den Welpen in den ersten Lebenswochen hat deshalb ganz entscheidende Auswirkungen auf das spätere Bindungsvermögen eines Hundes.
 
Für uns als Züchter bedeutet dies, vor allem, dass wir dem  jeweiligem Welpen/Wurf und der Mutter ausreichend Möglichkeit geben, diese Bindung herzustellen und nicht zu oft und/oder falsch einzugreifen in die Zwiesprache der Mutter/Welpen.
Weiterhin müssen wir den idealen Abgabezeitpunkt, bezogen auf gerade diesen Wurf, individuell bestimmen. Das heißt dass es Unterschiede bei dem Abgabetermin je nach Wurf gibt.
Bis zum Abgabezeitraum ist der Züchter für  Bindung und  Entwicklung des Wurfes/Welpen verantwortlich.
 
Bindung von Hund und Besitzer
Heißt das für den Besitzer und seinen Hund, dass er ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest und diesem möglichst unverzüglich nachkommt? Vertieft man so die Bindung?
 
Nein, das ist mit Bindung nicht gemeint
Es geht  um das Beantworten von Bedürfnissen auf angemessene Art und Weise.
 
Beispiel:
Hat sich der Hund eine Scherbe in den Fuß getreten, muss ich sofort auf sein Jaulen reagieren.
Die der Situation angemessene Art und Weise besteht darin, die Pfote zu versorgen (und den Tierarzt aufzusuchen), mich also sofort um meinen Hund zu kümmern.
 
Sitzt er dagegen im Restaurant fiepend neben mir und versucht, damit meine Aufmerksamkeit zu bekommen, weil ihn der Abend langweilt oder er etwas anderes tun möchte.
Hier wäre es angemessen nicht! zu reagieren. Wenn man es trotzdem tut, wird alles Mögliche gefördert, aber ganz sicher nicht die Bindung zum Hund.
Einem solch fordernd geäußerten Wunsch nachzukommen wäre keine feinfühlige Reaktion, weil sie der Situation nicht angemessen wäre.
 
Bindung bedeutet Sicherheit, Verlässlichkeit und emotionale Verbundenheit mit dem Bindungspartner. Sicherheit ermöglicht Vertrauen. Und Vertrauen ermöglicht Exploration (Erkundungsverhalten), diese verschafft dem Hund eine breite Erfahrungspalette: die Voraussetzung für überlegtes und souveränes Handeln.
 
Möchte man also eine enge und tiefe Bindung zu seinem Hund, muss man ihm einen Rahmen verschaffen,  in dem er sich frei und vertrauensvoll bewegen kann und der ihm Ruhe und Sicherheit gibt.
 
Der Grundstein für das spätere Bindungsverhalten wird in der Welpenzeit (Dauer je nach Welpe individuell unterschiedlich; ca. bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres) gelegt.
Der Züchter schafft einerseits die Voraussetzungen während der Aufzuchtzeit bei ihm. Andererseits muss der Welpenkäufer auf dieser Basis (direkt nach der Übernahme des Welpen) aufsetzten und nun seinerseits dem Welpen  die Sicherheit, die Verlässlichkeit und die emotionale Verbundenheit bieten.
Irish Terrier vom Haseland - Susann & Helmut Gielians, 49586 Merzen, Osterodener Weg 1, Tel: 05466 926 126
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